Die Schule beginnt wieder. Und damit stellt sich die gleiche Frage: Was muss sich in unserer Schule ändern? Die PISA-Ergebnisse 2025 zeigen schwache Lesekompetenzen bei unseren 15-Jährigen. Und die Antwort scheint schnell gefunden: weniger Smartphone, weniger soziale Medien, mehr Verbote.
Sind wir damit schon auf dem Weg zu einer Lösung?
Kinder verbringen zu viel Zeit vor Bildschirmen. Soziale Medien beeinflussen ihre Konzentration, ihr Wohlbefinden und ihr Bild von sich selbst. Auch PISA zeigt: Digitale Ablenkung in der Schule kann auf Kosten der Leistungen gehen.
Also: Smartphone weg. Problem gelöst?
Ich habe da meine Zweifel.
Ja, Kinder brauchen Grenzen. Aber wir haben oft denselben Reflex: Wenn wir ein Problem nicht direkt lösen können, kleben wir ein Pflaster darauf.
Schwache Lesekompetenzen? Ein Aktionsplan.
Zu viel Handy? Ein Verbot.
Schlechte Ergebnisse? Eine neue Reform.
Und so wird aus jedem Problem eine neue Regel. Aus jeder Regel eine neue Kontrolle. Und aus jeder Kontrolle eine neue administrative Aufgabe.
Dabei verwechseln wir leicht Handeln mit Lösen.
Eine neue Maßnahme zu beschließen, ist einfach. Ein Kind zu motivieren, das keine Lust mehr am Lernen hat, ist schwieriger. Eine überforderte Familie zu unterstützen, ebenfalls.
Das braucht vor allem eines: Zeit.
Und bei PISA stellt sich noch eine andere Frage: Wie stark gewichten wir einen Test, der die Leistung in einer Sprache misst, die für viele Länder die Muttersprache ist, für viele unserer Schülerinnen und Schüler aber eine Fremdsprache?
PISA zeigt übrigens auch: Beim digitalen Lernen sind unsere Schülerinnen und Schüler stark.
Machen wir diese Kompetenz jetzt mit einem Verbot wieder kaputt?
Wir leben in einer Welt des „Klicks“:
Frage. Klick. Lösung!
Aber Bildung funktioniert nicht so.
Eine Regel ersetzt kein Vertrauen.
Kontrolle ersetzt keine Verantwortung.
Und eine Reform ersetzt keine Beziehung.
Und eines ist sicher: Keine dieser Maßnahmen macht ein Kind motivierter.
Und wir Erwachsenen?
Wir sagen unseren Kindern: „Schau weniger aufs Handy.“
Aber wie oft schauen wir selbst auf unseren Bildschirm, während jemand mit uns spricht?
Kinder tun nicht unbedingt, was wir ihnen sagen.
Aber sie tun, was wir ihnen vorleben.
Vielleicht ist das die wichtigste Lektion für diesen Schulanfang.
Eine Regel kann ein Smartphone wegnehmen.
Aber Bildung ist mehr.
Bildung bedeutet: lesen lernen, denken lernen, unterscheiden, argumentieren – und Verantwortung übernehmen.
Deshalb brauchen wir mehr als Verbote.
Wir brauchen Zeit.
Geduld.
Gespräch.
Und vielleicht auch den Mut, nicht sofort eine neue Regel zu erfinden, nur weil wir noch keine Lösung haben.
Denn eine Regel sagt einem Kind, was es nicht tun soll.
Bildung lehrt es, warum und wie es besser geht.
Der Schulanfang ist für die Kinder.
Aber die Lektion ist für uns.